von barbara

1. Zum Konzept von Medienkompetenz Mit den 'Neuen Medien' Internet und Computer, CD-ROM und Multimedia findet, gleichsam als Begleitung, der Begriff Medienkompetenz immer häufiger Verwendung. Er wird inzwischen als Schlüsselqualifikation (Deutscher Städtetag) betrachtet, die über Ausbildung, Schule und Hochschule die neuen Formen des Umgangs und Lernens über 'Neue Medien' zum Thema hatte. Die Erweiterung der Programm-Medien durch Internet und Multimedia-Arrangements haben eine global erschlossene "Datenautobahn" zur Verfügung gestellt, in der vielfältige Inhalte und unterschiedliches Wissen zur Verfügung stehen, und dies nicht nur in den gewohnten Formen des Textes (Printmedien), sondern auch als Kombination von Zeichen: Eine CD-ROM verbindet beispielsweise Sprechen, Graphiken, Sound und Soundtracks in ganz neuen Kombinationsformen. Alltagsverrichtungen (Homebanking, Teleshopping), berufliches Handeln (ohne den Computer undenkbar), die Familie (als Verbindung von Unterhaltungs- und Bildungsmedien) bieten ein komplexes Netz von darstellbaren Weltbeständen an, die in dieser Fülle und Vielgestaltigkeit ihresgleichen bisher nicht hatten. Auch mit diesen neuen Möglichkeiten der Informationsnutzung müssen wir umgehen können. Dies ergibt sich keineswegs allein, auch wenn Menschen grundsätzlich in der Lage sind, beispielsweise lesen, sprechen und schreiben zu können. Wir nennen dies eine grundlegende Kulturtechnik. Wir verfügen über sie, weil wir als Menschen 'kommunikative Kompetenz' besitzen. Dies meint: Menschen sind nicht nur technisch in der Lage, etwa ein Druckbild zu entziffern; sie können sich auch etwas 'dazu denken', und dies setzt wiederum Verstehensprozesse voraus. Genau dies meint Kompetenz: Es geht um mehr als nur die Fähigkeit, eine neue Technik (etwa den online-geschalteten Computer) handhaben zu können; verbunden ist diese technisch-praktische Fertigkeit mit dem Vermögen der Menschen, sich Gedanken über etwas zu machen, kritische Argumente zu formulieren, aber auch mit Hilfe von Lektüre Genußfähigkeit zu erlangen (etwa beim verstehenden Lesen eines lyrischen Gedichts). Impliziert wird also mit dem Begriff Medienkompetenz dreierlei: • 1. "Kommunikative Kompetenz" ist die allgemeine Form, in der Menschen das soziale und gesellschaftliche Miteinander leben lernen und ausagieren, damit auf diese Weise 'Wirklichkeit' über Kommunikationsakte erfolgt. Diese allgemeine "kommunikative Kompetenz" beginnt mit dem Erlernen der eigenen Sprache (Muttersprache) und endet noch lange nicht beim Programmieren einer Software mit multimedialen Gestaltungsmöglichkeiten als neuen Inhalten und Ausdrucksformen des Lernens. • 2. Diese "kommunikative Kompetenz" ist allen Menschen von Geburt an gegeben, sie gehört zur menschlichen Grundausstattung. Dennoch muß sie gelernt, geübt und weiterentwickelt werden; heute fördern wir "kommunikative Kompetenz", ausgehend von der Primärsozialisation in der Familie, über vielfältige Bildungseinrichtungen, hinzu kommen Alltagserfahrungen und selbstsozialisatorische Prozesse des Weiterlernens. • 3. Medienkompetenz ist insofern eine Teilmenge der "kommunikativen Kompetenz" und wendet sich insbesondere dem elektronisch-technischen Umgang mit Medien aller Art zu, die heute in komplexer Vielfalt zur Verfügung stehen und deren Nutzung ebenfalls gelernt, geübt und gefordert werden muß. Abgesehen von diesen konzeptionellen Ausgangspunkten sind weitere drei Leitlinien festzuhalten: • 1. Medienkompetenz umfaßt, wie der Begriff auch nahelegt, alle Medien, von den Printmedien über Rundfunk und Fernsehen, Kassetten und Videorekorder, Telefon und Walkman bis zu den interaktiv und multimedial entwickelten Kommunikationsformen vom Computer (offline) und Internet (online). So heißt es auch im Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (1998, S. 13): "Medienkompetenz als fach- und institutionenübergreifende Basisqualifikation weist damit (...) über den Horizont klassischer medienpädagogischer bzw. medienerzieherischer Theorie und Praxis hinaus." Und etwas später (S. 15) wird formuliert: "Der Medienbegriff umfaßt Medien als Geräte und Techniken von Kommunikation, Medien als Systeme von Zeichen und Symbolen sowie Medien als Organisation. Dieses Medienverständnis wurde durch die Einbeziehung nicht-technischer Ausdrucksmedien (z.B. in spielerischen und theatralischen Formen) noch erweitert." In der medienpädagogischen Fachdiskussion hat sich entsprechend dieses breite Verständnis von Medien durchgesetzt. • 2. Medienkompetenz als so verstandene Basisqualifikation ist entsprechend ein Lern- und Erfahrungsgegenstand, der nicht ausschließlich über die Schule vermittelt wird, zumal die Lernenden (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) ihrerseits in vielerlei Formen quasi alltäglich mit Medien umgehen, so daß sie zum gesellschaftlichen Weltbestand gehören. Auch dies betont das Landesinstitut (ebd., S. 13): "Die Medienpädagogik hat zwar in der Schule immer schon mit medienerzieherischen Beiträgen auf die medialen Herausforderungen zu reagieren versucht, doch sind diese Bemühungen angesichts der Herausforderungen der Medien- und Informationsgesellschaft als völlig unzureichend zu bewerten, wenn sie nicht ergänzt und fortgeführt werden durch außerschulische und weiterbildende Maßnahme im Sinne lebenslangen Lernens. Die Vermittlung von Medienkompetenz muß mehr und mehr zu einem immer wichtigeren und notwendigeren Teil von Allgemeinbildung werden." • 3. Medienkompetenz ist damit eine Aufgabe lebenslangen Lernens, da die Kommunikationstechnologie sich ständig verändert, so daß immer neu gelernt werden muß, mit neuen Geräten und den in ihnen entwickelten Entwicklungsmöglichkeiten und Handlungschancen umzugehen. Die Bedeutung von Medienpädagogik in einer 'Informationsgesellschaft' ist auch bildungspolitisch erkannt. Hinzuweisen ist auf die Erklärung der Kultusministerkonferenz zu "Medienpädagogik in der Schule" (Mai 1995); den Beschluß der Kultusministerkonferenz "Neue Medien und Telekommunikation im Bildungswesen" (Februar 1997); den Orientierungsrahmen der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung "Medienerziehung in der Schule" (Dezember 1994). Notwendig ist nun eine Fortführung und Erweiterung dieser Diskussion, indem 'Medienerziehung' wie im Orientierungsrahmen der Bund-Länder-Kommission um die didaktisch-pädagogische Gestaltung des umgreifenden Konzepts von Medienkompetenz erweitert werden muß. Die abschließenden "zusammenfassenden Empfehlungen" des Orientierungsrahmens, die weiterhin gelten, müssen, über die Programmatik hinaus nunmehr das Konzept Medienkompetenz in ihren Elementen entfalten und für Lehr-Lernprozesse im Sinne einer Basisqualifikation handhabbar machen.

9.1.09 20:39

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